Schwerpunkte & Praxisbeispiele
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Im Angesicht der Freiheit: Wenn Geschichte greifbar wird
Volkshochschule Leipzig
Deutscher Volkshochschul-Verband
Was hat die DDR mit der Gegenwart zu tun? Und welche Bedeutung hat Freiheit heute – für junge Menschen? Diesen Fragen stellten sich Schüler*innen im Rahmen eines Projekts der Volkshochschule Leipzig.
In einer fünftägigen Projektwoche begaben sich die Teilnehmenden auf eine kreative Zeitreise durch Geschichte, Gesellschaft und eigene Identität. Im Zentrum stand die fotografische Sammlung des Leipziger Fotografen Armin Kühne (1940–2022), dessen Aufnahmen das Leben in Leipzig in der DDR, insbesondere während der Friedlichen Revolution und Wendezeit dokumentierten. Mit einem partizipativen Konzept, das auf die Medien Fotografie, Theater und Film setzte, übertrugen Schüler*innen historische Quellen in lebendige Ausdrucksformen.
Das Projekt startete mit einer interaktiven Einführung zur DDR-Geschichte, gestaltet von einem Geschichtspädagogen. Anhand einer Stationenarbeit erarbeiteten sich die Schüler*innen ein gemeinsames Grundlagenwissen zu Themen wie Alltag in der DDR, Jugendkultur, Bildung und dem politischen System. Außerdem beschäftigten sie sich in einer weiteren Einheit mit der Einordnung von (Bild-)Quellen. Anschließend wählten sie in einer Gruppenphase einen kreativen Schwerpunkt. Unter fachkundiger Begleitung entwickelten die Schüler*innen eigene Werke – vom Legetrickfilm über eine thematisch sortierte Fotoausstellung bis hin zu einem Theaterstück.
Die Projektstruktur ermöglichte ein hohes Maß an Eigenständigkeit: Die Jugendlichen bestimmten ihre Themen, führten Interviews – beispielsweise mit Familienangehörigen – recherchierten historische Quellen und verbanden diese mit aktuellen Themen aus ihrer Lebenswelt. Mit folgenden Fragen setzten sie sich auseinander: Wie war das Leben in der DDR wirklich? Wie hätte ich damals gehandelt? Was bedeutet Freiheit heute für mich? Diese Fragen führten zu intensiven Gesprächen über Demokratie, Verantwortung und persönliche Haltung – und wurden schließlich in künstlerische Ausdrucksformen übersetzt.
Das Projekt war nicht nur ein kreatives Erlebnis, sondern ein gelungenes Beispiel für politische Jugendbildung. Es förderte nicht nur Medienkompetenz und Teamarbeit, sondern auch demokratische Haltungen: Offenheit, kritisches Denken und die Fähigkeit, eigene Meinungen zu formulieren und zu vertreten. Durch die künstlerische Auseinandersetzung mit historischen Fotografien wurde ein Bezug zur heutigen Lebenswelt der Jugendlichen ermöglicht und ein Bewusstsein geschaffen, dass die gesellschaftliche Zukunft durch aktuelle Ereignisse und Prozessanstöße gestaltet wird.
Einem breiteren Publikum wurde das Projekt von den beiden Verantwortlichen Antonia Streule und Julia Henschler im Rahmen des Deutschen Kinder- und Jugendhilfetages im Mai 2025 vorgestellt – als Beispiel innovativer, künstlerisch-politischer Bildungsarbeit mit Jugendlichen.
